Projekt: Deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur aus Österreich in ausgewählten Bibliotheken und Archiven (1890 -–1955)

Autopsien und Datenerhebungen als Beitrag zur Entwicklung einer österreichischen KJL-Datenbank im Internet (GZ 16.513/3-II/6/99)

Abschlussbericht (Auszug)

I. Ergebnisse

1. Folgende Bibliotheken wurden besucht: UB Innsbruck (Frau Wieser), Pädagogisches Institut der Stadt Wien, UB Graz, Abteilung für Sondersammlungen (Dr. Hans Zotter, Frank Koren), Klagenfurt: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Kärnten, Sozialwissenschaftliche, Kärntner Landesarchiv, Landesmuseum für Kärnten, Pädagogische Akademie des Bundes in Kärnten, Slowenische Studienbibliothek, Klagenfurt, Universitätsbibliothek Klagenfurt, Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 5: Landesjugendreferat, Büchereistelle der Förderungsstelle des Bundes für Erwachsenenbildung, Klagenfurt, Diözese Gurk, Bischöfliches Priesterseminar der Diözese Gurk, Kammer der gewerblichen Wirtschaft, Klagenfurt, Vorarlberger Landesbibliothek (à http://www.vorarlberg.at/vlb/), Benediktinerstift Admont, Benediktinerstift Kremsmünster, Pädagogisches Institut des Bundes in Salzburg

2. Insgesamt werden 1288 Bücher registriert - exemplarisch wurden die Jahre 1910–1920, 1930–1940 und  1940–1950 herausgegriffen. Die Zahl der Duplikate hält sich in Grenzen (24). Es zeigt sich, dass es sehr wichtig ist, verschiedene Standorte aufzusuchen. Dies ist gerade im Hinblick auf die angestrebte Erarbeitung eines differenzierten Handbuchs zur österreichischen KJL (bzw. zu den österreichischen Kinder- und Jugendliteraturen) von großer Bedeutung, da ein solches Handbuch nicht zuletzt eine Darstellung der österreichischen Mentalitätsgeschichte miteinschließen soll. Dabei kann der regionale bzw. lokale Aspekt der KJL-Sammlungen (vgl. Tafel 1 und Tafel 2 als Beispiele/Datei "auswertung.ppt" [Microsoft Power Point]) nicht hoch genug eingeschätzt werden.

3. Auch wenn das Material erst grob überblickt werden kann, weil noch zahlreiche Bibliotheksbestände ausgewertet werden müssen, zeichnet sich ab, dass die Zahl der erhobenen Bücher (vgl. Tafel 3: "auswertung.ppt" [Microsoft Power Point]) drastisch steigt, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt um das Doppelte (Gründe: Produktion, Sammelpraxis u.a.).

4. Es zeigt sich, dass die Verantwortlichen in den Bibliotheken ihre einschlägigen KJL-Bestände selber kaum überblicken, z.T. im Zuge unserer Arbeiten erst zu sondieren und zu ordnen begonnen haben. Einige Bestände (z.B. Sondersammlungen in Graz) sind bisher von der Forschung noch gar nicht zur Kenntnis genommen worden. Unser Pilotprojekt hat in Graz und in Innsbruck Anstöße gegeben, die an den Universitätsbibliotheken aufbewahrten KJL-Bestände neu zu erfassen.

5. Betrachtet man die Liste der Autoren mit mehr als 10 Datensätzen (vgl. Tafel 1: "auswertung.ppt" [Microsoft Power Point]), dann fällt auf, dass diese Autoren und ihre Bücher bisher von der einschlägigen KJL-Forschung fast völlig übersehen bzw. übergangen worden sind. Eine KJL-Forschung, die auch die historischen Rezeptionen in den Blick nimmt, muss – im Hinblick auf eine Darstellung der österreichischen Mentalitäts- und Bildungsgeschichte – ein neues Bild des KJL-Kanons zur Kenntnis nehmen/zeichnen.

II.) Probleme und Fragestellungen

1. Erstellung der Autorenlisten: Zuordnungen (Österreicher/Österreicherin? KJL-Autoren?)

2. Texte von Kindern/ Jugendlichen: konnten nicht registriert werden.

3. Es wäre dringend erforderlich, auch Bibliotheken in allen ehemaligen Zentren der Donaumonarchie aufzusuchen.

4. Sehr viele, völlig unbekannte Titel, die von der Forschung bisher nie wahrgenommen worden sind, was eine rezeptionsorientierte Geschichte der KJL nahelegt.

5. In diesem Zusammenhang wären die Rolle der Verlagshäuser und die Profile der Standorte zu untersuchen. (z. B. Tyrolia in Innsbruck; KJL-Standort Kärnten – keine Bestände? Pädag. Akademie Salzburg – keine Kinder- und Jugendliteratur in der Bibliothek)

6. Frage der Abgrenzung KJL – Literatur für Erwachsene? KJL als Teilsystem des Systems Literatur in einer Geschichte der österreichischen Literatur wäre zu schreiben.

7. Datenbank, im WWW allgemein zugänglich, mit Texten und Illustrationen - ein Desiderat.

8. Zusammenarbeit mit Universitätsbibliotheken; deren Interesse ist groß, in Kooperation mit einem KJL-Projekt die Sammlungen neu zu erschließen.

III.) Organisatorische Desiderate der österreichischen KJL-Forschung

Eine Koordination der diversen, derzeit in Österreich laufenden KJL-Forschungsprojekte scheint im Hinblick auf die zentrale Zielsetzung, die Erarbeitung eines umfassenden Handbuchs zur österreichischen KJL, auf der Basis verlässlich autopsierter und umfassend erhobener Daten (Datenbank) dringend geboten.

Univ. Prof. Dr. Karl Müller, Salzburg, Univ. Prof. Dr. Johann Holzner, Innsbruck